Harald Nicolas Stazol
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Die Heidi-Klum-Kurve

March 16, 2010 on 7:19 pm | In CONVERSATIONS, CULTURAL FASHION, DAS TAGEBUCH DES LETZTEN DANDYS, DIARY AND EVENTS, ESSAY, MODE UND LIVESTYLE, POLITICS, REPORTAGE, SPECIALS | No Comments

Ein Piercing wird zum Pièce de Resistance, zum Stein des Anstosses, Heidi Klum nimmt Anstoß daran, und als das Möchtegern-Model-Mädchen sagt, sie, Heidi, selbst hätte doch auch ein Tattoo, sagt Heidi jenen Satz. Einen Satz, den man kaum glauben kann. Sie redet vom Ende ihrer Karriere, das nun erreicht sei, und eine Nation hält den Atem an. Gerade hat sich noch der Boulevard auf sie eingeschossen, immer nur zerrt die Presse am Image – Deutschland liebt seine Heidi nicht mehr. Die neueste Staffel von „Germany´s Next Topmodel“ – es könnte Heidi´s letzte sein. In Deutschland. In ihrer Wahlheimat USA ist die Karriere noch lange nicht beendet, man hört von einigen, sicher gewinnbringenden Projekten, man hat keinen Zweifel daran, Heidi wird weitermachen, und wenn sie 2015 eine Home Interior Linie aufmacht. Man muss sich um sie keine Sorgen machen. Sie hat bereits einen Plan, soviel ist sicher. Und vielleicht war´s ja auch nur ein PR-Gag, um wieder in die Schlagzeilen zu geraten. Aber Deutschland macht sich gerne Sorgen.
Wäre sie ein Container, die Deutschen würden sie lieben: Heidi Klum, Exportweltmeisterin ihres unbestrittenen Talents, sich ungestüm selbst zu vermarkten, Heidi Klum, die über Schönheit gebietende Halbgöttin, Heidi, die Mutter von vier Kindern, glücklich verheiratet und sogar auf den Oscars verehrt, in den USA der deutsche Schlager – nun, daheim gilt sie nichts, das Model, das so recht wohl nie eins war.
Eigentlich hat sie doch niemand was getan. Gut, da ist ihre Stimme, die selbst einem Thomas Gottschalk die Schweissperlen ins Gesicht treibt, und ja, da ist „Germany´s next Topmodel“, ein Fernsehtraum, der trotz Echo-Preisverleihung bei den Öffentlich-Rechtlichen den Privaten noch 19 Prozent Einschaltquote bringt – wen stört es, dass das Format ein gut erzähltes Märchen ist, vom Mädchen, das auszog, das Modeln zu lernen. Und von dem dabei Dinge verlangt werden, die auf keinem Laufsteg der Welt üblich sind, doch woher soll Heidi das wissen, auf den Wichtigen war sie nie, „ich kenne Sie nicht, sie war nie in meiner Schau“, ätzt Karl Lagerfeld, „Claudia kennt die auch nicht, die war nie in Paris“ – warum auch? Sounds like a personal problem, Karl! „Wer ist eigentlich Karl? Karl Who?“ war ihre Antwort. Touché! Seit wann ist es eine Sünde, nicht für Chanel gelaufen zu sein? Und trotzdem hämt die Republik.
Es ist ein Seltsames an den Deutschen, dass sie die, die sie verehren, plötzlich fallenlassen und auf sie einhauen, als würden sie sich selbst nicht verzeihen, einmal so begehrt zu haben. „Yet each man kills the thing he loves“ bemerkte Oscar Wilde einst, und genauso ist es, zumindest in Deutschland. Da ist Herr Joop - wer ist eigentlich Wolfgang Joop, in Amerika reüssierte er nie und ein Weltstar ist er auch nicht, auch wenn sein „Wunderkind“ als einziges deutsches Label in Paris zugelassen ist auf den Schauen – der unaufgefordert „ich weiss nicht, was an Heidi echt ist“ zu Protokoll gibt – aber wer hat denn je verlangt, im Blitzlichtgewitter echt zu sein?
Heidi Klum, eine Mischung aus „Yes we can!“ und „Du bist Deutschland“? Möglich ist es.
Dass sie zu ihren Fältchen steht, „die habe ich eines Morgens entdeckt, und gleich eine neue Kosmetiklinie aufgelegt“ – wer könnte das schon, aus dem Stand, und gehen Lagerfeld oder Wolle Joop – eigentlich nicht im gleichen Atemzug zu nennen - so offen mit ihrem Alter um?
Sie hat vier Kinder, sie hat eine, so scheint es, glückliche Ehe, sie kriegt noch ne eigene Karriere hin – was sagt eigentlich Frau von der Leyen zu so einer selbstbewussten jungen Frau, die ihr Leben und ihre Laufbahn so gut im Griff hat und auch noch ein tolles, schönes Familienleben hinkriegt? Wer einmal gesehen hat, wie Heidi ihre drei Monate alte Lou im Arm trägt und ihr Gesicht vor den Paparazzi schützt, der kann an dieser Harmonie nicht ernsthaft zweifeln. Klar, hier, in den USA, da wird Karriere gemacht wie selten, da wartet eine Lizenz für Umstandskleidung, da wartet Victoria´s Secret, denen es egal ist, ob Heidi ein paar Pfunde mehr drauf hat, da wartet dieser diamantbesetzte BH für mehrere Millionen einer Währung Ihrer Wahl.
Sind die Deutschen nicht fähig zur Abstraktion? Ist da etwa kollektive Verbitterung? Weltschmerz gar? Was bitte macht denn ein Mädchen, die entdeckt wird und dem plötzlich alle Türen offen stehen, einfach, weil sie schön ist? Welche andere Frauenrolle kann denn ähnlich schnell besetzt werden? Heidi als Bundeskanzlerin? In den USA liebt man solche Geschichten, es ist ein Abklatsch der Gesellschaftsblätter, Erfolg macht sexy, jeder New Yorker Taxifahrer freut sich mit dem Fahrgast, wenn der ein gutes Geschäft abgeschlossen hat, Neid kennt die US-amerikanische Gesellschaft so nicht.
Und sie selbst? Sie scheint das alles eher gelassen zu sehen, und sie weiss, dass ihr Volk jede Sekretärin ausspäht, ob die etwa schon wieder neue Schuhe hat. Wenn, dann ist es ein stilles Leid, dass Heidi hat oder eins, über das sie längst hinweg ist. Die Kleingeister, die Kleinbürger, die Kleinmütigen, die ja so gern auch mal ein Star wären und ihr jeden Atemzug neiden. Und GNTM ist da das Ventil, für die Mädchen, die etwas gerade gewachsen sind und glauben, die nächste Auermann zu sein.
Dass Heidi Klums Atemzüge einem den Atem stocken lassen, wenn sie auf dem roten Teppich wieder einmal einherschwebt, dass sie bislang in der Wahl ihrer Garderobe guten Geschmack gezeigt hat – man denke nur an die Oscarnacht, ihr Kleid aus schwarzem Seidenmoirée und die Rivière aus Diamanten? In echt war es nur aufgestickter Strass – aber wir sprechen von einer Mutter und Ehefrau im Stress. Wir sprechen von einer vierfachen Mutter.
Dass sie mit einem rotlogo-verzierten Blatt nicht spricht, nicht sprechen will, weil sie sich auf dieses Niveau nicht herablassen will, wer wollte ihr das verdenken? Wo steht denn geschrieben, dass man sich erst hochschreiben lassen muss, um bald darauf wieder niedergeschrieben zu werden? Verehren, Fallenlassen, Draufhaun. Made in Germany.
Und damit das nicht passiert, gibt es ihren Vater Günther, der so ziemlich alles regelt und schon mal nen Hartz-IV-Empfänger verklagt, der Heidis Lippen (!) abfotografiert hat (!!), um eine Collage zum persönlichen Gebrauch zu machen (!!!). Der Zweck Heidi Klum heiligt die Mittel, die Gesichter der Kinder müssen in deutschen Blättern immer gepixelt werden – in den USA gilt dieses Reglement natürlich nicht. Sie hat es auf das Titelblatt des Wirtschaftsmagazins Forbes gebracht, ihre Einnahmen wurden 2006 schon auf 7,5 Millionen pro Jahr geschätzt, in einer Währung Ihrer Wahl.
Natürlich macht sich so eine Frau Feinde, ihren Ex-Kollegen, Amin Peymann etwa, den sie offenbar kalt abserviert hat: „Als ihr Modelagent machte ich sie in Deutschland bekannt und verschaffte ihr 1999 den ersten Auftritt bei ‘Wetten, dass…?’”, erzählte Amin der “BamS”. “Da war Heidi zwar in den USA ein Star, aber in Deutschland nicht interessant. Diese gemeinsame Zeit mit einem Satz in einer E-Mail zu beenden, ist nicht sehr freundschaftlich.” Im Chat schreibt er etwas verbitterter „Ich amüsiere mich köstlich :)“ – Hauptsache in den Medien, Hauptsache noch beim Gefeuertwerden bemitleidet – und Heidis Ruhm auch noch mitbenutzt. Wer sagt, dass man solche Leute nicht als Feinde will?
Im Jahr 2002 bringt der Inselstaat Grenada eine Heidi-Klum-Briefmarke heraus, eine Ehre, die ihr wohl so schnell niemand nachmacht. Sie ist eine Deutsche, sie ist eine von uns. Kann man da nicht einfach mal applaudieren?
Heidi Klum vereint die so selten gewordene Air mit Anstand, und schon in ihrer Botschafterfunktion in den USA ist sie der Inbegriff einer deutschen Frau, die für ihre Leistung respektiert wird. Eine ähnliche Einstellung ist von deutschem Publikum selten zu erwarten. Wir leben in einer schnelllebigen Medienwelt, da muss Skandal und Rachsucht her. GNTP ist ja Teil einer Dramaturgie, und auch die Klum ist ein Teil von ihr – Shows in diesem Format laufen so.
„Meine Karriere ist am Ende“? Das, liebe Frau Klum, wollen wir doch nicht hoffen. Deutschland braucht sie. Und die Welt. Und es kostet Sie nur ein Lächeln.
HARALD NICOLAS STAZOL

kleiner kenner-tip für stylisten…

March 4, 2010 on 8:40 pm | In CULTURAL FASHION, DIARY AND EVENTS, GUESTS, MODE UND LIVESTYLE | No Comments

http://gare-des-robes.net/

merci pour votre confidance, HNS, Lord Darlington

Kate Moss weint - as published in Grazia

March 4, 2010 on 12:13 am | In MODE | No Comments

@05 Lauftext:
Kate weint, und sie weint selten. Sie sagt alles ab. Ist nicht zu sprechen. Für niemanden. Sie bleibt zuhaus und spielt mit ihrer Tochter. Die fragt sich, warum Mum Tränen in den Augen hat. Und was soll Mum denn jetzt sagen, der kleinen Lila Grace? Sie ist doch erst acht! Aber Onkel „Lee“ kennt sie, so heisst Alexander McQueen für Kate, für Freunde, für seine Familie - nun, er wird nicht mehr kommen. Wie soll man einem kleinen Mädchen denn sonst den Tod erklären? Einen Selbstmord? Unmöglich.
Das weisse Stadthaus in Camden an der Primrose Hill Road, Kates Heim, es liegt still da. Keine Party heute, morgen, kein Dinner mit Freunden, bis auf weiteres nicht. Gerade erst hat Kate Moss ihre Handtaschenkollektion für Longchamp vorgestellt, energetisch und jugendfrisch hat die 36jährige in New York gewirkt und Kette geraucht, natürlich. Sie, die doch seit den 90ern eigentlich keine Interviews mehr gibt. Eine ihrer Taschen soll Platz für zwei Flaschen haben, ein lederner Getränkehalter, „ideal für Rockkonzerte wie Glastonbury“, hat sie gescherzt und gelächelt, eines ihrer seltenen Lächeln, die schöne, vielleicht schönste Frau der Welt. Doch wer denkt jetzt noch an Handtaschen? Keine Pressetermine wird sie in den nächsten Tagen wahrnehmen, keinen Empfang besuchen, den Paparazzi, die vor ihrer Haustür lauern, keine Angriffsfläche bieten. Einmal nur am Wochenende geht sie kurz vor die Tür, im grauen, schmalen Pelz, mit riesiger Sonnenbrille, eine feine, zweireihigen Goldkette um den Hals. Müde sieht sie aus, gefasst, aber erschöpft. Sie geht zu einem Laden für Kinderkleidung und ja, ihr Arzttermin ist da noch, beides lässt sich nicht aufschieben - aber ihre Augen sind so verheult, dass sie ihre Sonnenbrille trotz des trüben, Londoner Winterwetters nicht abnimmt. Fast kraftlos huscht sie an den Fotografen vorbei, die sie auf Schritt und Tritt verfolgen. Das ist der Preis, wenn man ein Leben im Rampenlicht führt, wenn man weltberühmt ist. Wahrscheinlich gibt es mehr Abbildungen von ihr als von der heiligen Jungfrau, aber das ist ihr jetzt egal. Sie, die ohnehin manchmal von Melancholie heimgesucht wird, nun, es liegen dunkle Tage vor ihr. Sie, die alles hat, Ruhm, Reichtum, Schönheit, ist schwer getroffen.
Ein Halt ist Lila Grace. „Ich bin Mutter“, sagt Kate einmal ganz weich, „jeden Tag, immer, und ich bringe sie jeden Abend selbst zu Bett.“ Das Mädchen fragt sogar manchmal, ganz die Mama, „,sieht dieser Look gut aus?“ Dann lächelt Kate. Doch diesen Abend, noch viele Abende, wird sie sich nichts anmerken lassen, sich für das Kind zusammenreissen und nur traurig lächeln.
Kate hat ihn wohl geliebt, auf ihre Weise, ihren „Lee“, den dieWelt als Alexander McQueen kennt und der sich nun erhängt hat. Sie ist „am Boden zerstört“. Die beiden verband etwas, was in der Modewelt sehr selten ist: Eine wahre Freundschaft.
Immer steht er zu ihr. Als sie beim Koksen fotografiert wird und die Zeitungen das Bild ganzseitig bringen am 15. September 2005, als sie abzustürzen droht aus dem Olymp der Modewelt. Als Werbeverträge gekündigt werden und die britische Presse sie fertigmacht.. Als niemand mehr zu ihr hält: „We love you Kate“, steht da auf Alexanders T-Shirt, so nimmt er 2005 in Paris die Ovationen des Publikums entgegen. Die Drogen, das Koks auf Silbertabletts, Parties, die drei Tage dauern, er kennt das alles. McQueen ist es, der seine Freundin auf den Laufsteg zurückholt, in Paris 2006, als spektakuläre Holographie. Unter einer riesigen Glaspyramide schwebt sie zur Geigenmusik von „Schindler´s Liste“, ganz in weiss, eine geisterhafte Erscheinung, eine Fee, Nichts anderes ist sie für ihn.
Sie ist die Zerbrechliche, er der kerlige Typ. Wenn er sie in den Arm nimmt auf dem roten Teppich, ist er ganz vorsichtig. So, als wolle er sie nicht zerquetschen. Ihr Umgang ist fast zärtlich, sie freuen sich wirklich, wenn sie sich sehen. Dass am Ende McQueen der Zerbrechlichere von beiden ist, ja, dass er am Leben zerbricht, man ahnt es noch nicht. Doch auch ihn überfällt manchmal Melancholie. Vor den Schauen ist er oft cholerisch – aber als sie in der angesagten Purple Bar im Sanderson Hotel zufällig einmal am Nebentisch sitzt, zusammen mit ihren „Freunden“ Jade Jagger und dem Verlagserben Dan Macmillan, ist sie auch missgelaunt und frech, geradezu unverschämt. Es ist fast, als hätte sie sich einen Schutzpanzer angelegt, ihr Misstrauen gegenüber Fremden ist groß. „Are you stalking us“ fragt sie sofort und es ist nicht leicht, diesen Verdacht auszuräumen und dabei höflich zu bleiben. Der Druck ist groß in der Welt der Mode. Und die kann grausam sein.
Den Sohn eines Taxifahrers und die Tochter einer Barfrau verbindet viel. Katerine Anne Moss kommt aus Croydon, einem tristen Londoner Vorort, Lee Alexander McQueen aus Stepney, einem Proletarierviertel im Osten Londons. Sie landet mit 16 Jahren die Calvin-Klein-Kampagne, definiert den „Heroin Chic“ , bricht die Herrschaft von Claudia Schiffer und Naomi Campbell endgültig. Wie nebenbei legt sie sich ein „Fuck-you-all“-Image zu. Man wirft ihr vor, dass sie magersüchtig sei, sie sagt: „Nur weil ich aussehe wie zwölf“, und ihre Augen funkeln kalt. Sie hat sich einen stählernen Blick angewöhnt, und manchmal scheint ihr alles egal zu sein. Lee aber ist ihr nicht egal.
Ihr Aufstieg ist kometenhaft und seiner auch: Im Jahr 1996 schreibt McQueen mit seiner „Higland Rape“-Show Modegeschichte, die Models sehen aus, als wären sie von britischen Kolonialtruppen vergewaltigt worden, Tartans, messerscharfe Schnitte, harte Beats aus den Lautsprechern – es ist, als hätte Coco Chanel nie gelebt. Mit nur 26 Jahren wird er vom Haute-Couture-Haus Givenchy engagiert, da gilt er schon als genial. Niemand kann mit Stoffen und Schere so gut umgehen, wie Lee Alexander McQueen. Und niemand kann so schön vor den Kameras der Topfotografen posieren wie Katerine Anne Moss.
Alexander und Kate, sie sind jetzt das Doppelgestirn am britischen Modehimmel, beide „enfants terribles“, weltberühmt, unangefochten.
Scheu sind sie beide privat. Und einsam auch. Sie suchen in der oberflächlichen Welt der Mode nach jemandem, der Halt geben kann, endlich verlässlich ist, nach der grossen Liebe vielleicht. Auch das verbindet.
Eines Tages ist es soweit. Für ihn. Kate Moss sitzt mit beim Dinner im Groucho Club, so nahe sind sie sich, es ist ein intimer Kreis, als Alexander seinem neuen Freund George einen Antrag macht. Sofort will sie Brautjungfer sein. Im Hafen von Ibiza Stadt, an Bord einer Yacht, sind dann all diese Küsschen-Küsschen-Freunde. Irgendwann steht George alleine da und Jude Law kommt auf ihn zu und sagt „Du kennst hier niemanden, nicht wahr?“ Es ist die reine Wahrheit, denn in dieser Party-Possy kennt eigentlich niemand jemanden wirklich, es ist eine leere, eine traurige Welt, in der nur der Schein zählt. Und eben der Erfolg. George gehört einfach nicht dazu. Als er Kate etwas später auf der Strasse in London trifft und sie anspricht, geht sie einfach weiter. Da ist er wieder, der Schutzpanzer: „Sie hat mich nicht mal beachtet, meine eigene Brautjungfer“. Alexander erklärt ihm einmal, dass die Modewelt eben so sei. Dass es auch für ihn nicht einfach ist. Da ist die Ehe der beiden schon zum Scheitern verurteilt.
Als McQueen die Anteile an seinem eigenen Label für 20 Millionen Pfund an die Gucci-Group verkauft, 2001, gehört Kate schon zu den reichsten Frauen Englands, so ziemlich gleich nach der Queen. Im Jahr 2002 kommt dann Töchterchen Lila Grace zur Welt, der Vater ist Mitverleger der hippen Modezeitschrift „Dazed & Confused“ – es scheint, dass die zarte Kate nun angekommen ist im wirklichen Leben. Aber auch diese Beziehung scheitert. Dann trifft sie Pete Doherty. Er ist Gast auf ihrer Geburtstagsparty. Doch schon bald darauf verkaufen seine „Freunde“ intime Fotos des frischgebackenen Liebespaares an die Presse. Das geht nicht lange gut. McQueen hat auch nen Neuen, einen Australier, der geht bald und wird von einem Pornostar, „Mr.Stag“, ersetzt, aber das ist schnell vorbei. Auch Scheitern verbindet.
Kates Koks-Skandal? Der ist ganz schnell vergessen, sie ist schon im September 2006 „hotter den ever“, sie landet zehn lukrative Anzeigenkampagnen und wird einfach immer nur noch reicher.
Und Alexander? Er ist auf der Höhe seines Ruhms, seine letzte Schau, ein zerfetzter Fashion-Abgesang, symbolhaft für die Wirtschaftskrise, wird frenetisch gefeiert. Doch er, der unumschränkte Star, ist ganz allein. Noch vor Kurzem soll er gesagt haben, die Mode interessiere ihn nicht mehr. Als am 2.Februar seine Mutter stirbt, stürzt er in die Finsternis. Wo sind sie denn jetzt, all seine „Freunde“?
Die Polizei findet einige Abschiedsbriefe in der Wohnung des Selbstmörders. Einer davon ist sicher an Kate.

HARALD NICOLAS STAZOL