Harald Nicolas Stazol
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Hommage à la Russie: Der Überfall - und Putin und Pushkin

May 21, 2007 on 2:16 pm | In CULTURAL FASHION, DAS TAGEBUCH DES LETZTEN DANDYS, DIARY AND EVENTS | No Comments

man hat ja von den Russen schon einiges gehört, aber wenn sie einem zu zweit am Hauptbahnhof morgens um drei auflauern, und man schon etwas Chardonnay getrunken hat, weil einer der besten Freunde gerade aus London da ist und seinen Geburtstag feiert, und sie einen mehr oder minder höflich nach der Brieftasche fragen, dann ist meine Geduld schon einmal am Ende. Der eine hält mich fest, während der andere in mein Sakko greift, und natürlich nichts findet (Dandys haben nie Bargeld dabei), und ich schreie wie am Spiess “Leave me alone” (warum eigentlich auf englisch, Fragen über Fragen), und dann lassen sie ab von mir und haben zum Glück kein Messer dabei und rennen mir auch nicht nach, während ich in Richtung meines Lofts spurte, um dann die Betontreppen hinunterzufallen, weil meine Schuhe zwar elegant, aber nicht für Spurts geeignet sind, und ich mir die Lippen aufschlage und jetzt aussehe wie Hitler, dann ist der Spass auch begrenzt. Finde ich jedenfalls, und verfluche mich, weil ich in der Schule beim Kick-Boxen nicht aufgepasst habe und noch am Tag zuvor meine Reitstiefel anhatte und wahrscheinlich von den Russkis als unangreifbar gewertet worden wäre, faute de mieux (was übrigens nach Sloterdijk und dem Wahrig Wörterbuch in Ermangelung eines Besseren heisst).

Was uns directement zu Putin führt. Ich habe mir die Frage gestellt - und stelle sie hiermit zur Diskussion - ob es den Normalbürgern des Zaristischen Russlands eigentlich schlechter ging als heute den verarmenden Bürgern, während sich die Oligarchen an Gas und Öl so gütlich halten, wie es der zahlenmässig wohl vergleichbaren Adel unter Nicolaus II. am Volke getan hat. Zumal sich Putin ohnehin schon im Kreml mit den Insignien der alten Reussen umgibt, bei Staatsbesuchen den roten Teppich nie verlässt, zum Geburtstag St.Petersburgs ganze Schlösser renovieren liess und in seiner Machtfülle den Zaren mit Sicherheit übertrifft. Mit anderen Worten: DIE REVOLUTION WAR EIN FEHLER. Jawohl. Die hätte übrigens auch Pushkin nicht gewollt. Und Tolstoy schon gar nicht. Und wer das nicht einsieht, frage am besten mal einen Russen, der mehr oder minder höflich nach einer Brieftasche fragt…

henri-nannen-revisited

May 15, 2007 on 3:41 pm | In DIARY AND EVENTS, ESSAY | 1 Comment

Es ist schon erstaunlich: Da sitzen etwa 1200 Gäste im Smoking und in Ballkleidern, um sich bei Champagner und Lachshäppchen über den Zustand der Welt informieren zu lassen, ohne auch nur im Geringsten daran teilzuhaben: Eine Reportage über einen Berliner Obdachlosen gewinnt den Kisch-Preis, neben einer anderen über die Fährnisse eines Asylbewerbers aus den Tiefen Afrikas (6000 Kilometer durch Teile der Sahara), und die Haute Volée des deutschen Journalismus nimmt all das wahr und bleibt dennoch seltsam unberührt. Da ist Alice Schwarzer, die spät am Abend noch am Klavier etwas singt, Wowereit, der am Rande noch etwas shakert oder flirtet und Daniel Richter, der sich für seinen Vortrag in der Kunsthalle noch etwas feiern lässt: Wobei es schon interessant ist, dass der junge Maler noch am Donnerstag auf eine Publikumsfrage, warum er nichts über Kinderarmut male, antwortete: “Jeder, der drei Euro überweist, hat mehr gegen Kinderarmut getan, als ich es durch ein Bild vermochte. Sie glauben doch nicht, dass der Museumsbetrachter nach Hause geht, wenn er mein Bild gesehen hat, und sich sagt, jetzt mache ich mal was gegen die Kinderarmut… Stuckrad-Barre ist im weissen Anzug (hat wohl keinen Smoking? Shocking!) sauer , weil er nichts gewonnen hat (wäre ja auch noch schöner…), und es bleibt ein etwas schales Gefühl der Beliebigkeit zurück - etwa so, als hätte man von etwas Durchdringendem erfahren, ohne dessen wirklich teilhaftig zu sein. Unwirklich ist das, und ein wenig überinformiert, und auch ein wenig pervers: Der Herausgeber und Chefredakteur der russischen Zeitung Nowaja Gaseta, regimekritisch und von Todesdrohungen umwölkt, bekommt standing ovations, aber wirklich aktiv werden für ihn will im Saale niemand, oder kann es nicht. Da sind die sogenannten kritischen Geister einer ganzen Epoche versammelt und so fragwürdig passiv, machtlos, ohnmächtig geradezu. Will man nicht oder kann man nicht? Und überschätzt man nicht gnadenlos die Macht des Journalismus?

Man reinstitutionalisiert sich selbst, allenthalben. Es ist ein trauriger Versuch, der Welt mehr abzugewinnen, als sie gemeinhin hergibt. Eine Gala der Galanterien: Man weiss von den Missständen in der Welt, wagt es aber nicht, aus dem Konglomerat westlicher Werte, der Informationsindustrie und den allgemeinen Erwartungen hervorzutreten. Aus Passivität? Aus Resignation? Oder aus dem Wissen um die eigene Abgesichertheit, von hohen Honoraren und Festgehältern? Ob die Antwort auf all das eine höllisch schwere Büste des Namensträgers der Veranstaltung die richtige Entgegnung ist, bleibt zweifelhaft. Bis zum nächsten Jahr, jedenfalls.

Enthüllungen, Skandale, On-Dits hinter den Kulissen - Henri-Nannen-Preis revisited.

May 7, 2007 on 9:53 am | In CULTURAL FASHION | No Comments

…aus den Untiefen des deutschen Journalismus sind hier zu erwarten, spätestens nach Freitag, dem 11.5., wenn wieder einmal der Henri-Nannen-Preis verliehen worden sein wird. Read the latest on these pages! An in-depth report on the writers´ scene of germany!