… ist ja vielleicht nicht der schlechteste beweggrund, um in den tiefen der nacht die eindrücke des tages zu verarbeiten, aber was sich da heute abend im grossen saal des hamburger rathauses abspielte, am abend der schwusos anlässlich der 30 jahre csd, die nun zu begehen sind, nun denn - man ringt stunden später noch nach fassung. der erste eindruck, nachdem man die weitläufige treppe hinaufschreitet, ist eine arme blonde lesbe, die verzweifelt aus dem hals schreit zu ihrer verstimmten gitarre und von der ich in kürzester zeit und gepeinigsten ohrs vom veranstaltungsorganisator erfahre, dass sie ihm “aufgedrückt” wurde, weil man ja auch mal ne frau auf der bühne brauchte. aha. fairerweise muss gesagt sein, dass der nachfolgende acapellachor mit seiner intonation des “könig von thule” (!!!) mit der zeile “gar treu bis an da grab” auch nicht gerade eine punktlandung dem anlass gemäss ist. als ich dies anmerke, ziehe ich mir das gehässige zischen eines grauen goatees mit kassengestell zu, des inhalts: da vorne singen leute. ach. ich versichere, nicht blind zu sein, was ich mir angesichts dieses traurigen haufens unattraktiver mittvierziger im saal, durchsetzt von drei, vier perücketragenden jungs im mädchenkostüm und den chormitgliedern vorne eigentlich sehnlichst wünsche - auch taub sein wäre jetzt klar von vorteil. zu spät erfahre ich, dass der landesvorsitzende der schwusos, mein anwalt, in der einladungsmail schon vermerkte, der saal solle voll aussehen und man möge doch soviele freunde mitbringen wie möglich - meine beiden begleiter schwärmen da schon aus, der eine um wowereit zu fotografieren, der andere, um drinks zu holen, ohne die, so ein anderer gast im vertrauen, “man es hier ja nicht aushielte”. ich probier´s trotzdem, aber es wird nicht besser. wowereit wiederholt die forderungen der schwulenbewegung, die es seit den siebzigern gibt und gibt sich schwulennah, “es gibt ja auch wirklich gutaussehende fussballer” - ja, die gibt es. danke wowi. da wird der stammtisch einfach mal von der gegenseite bedient, aber das bemerke ich kaum, weil ich mittlerweile von einem graumelierten etwas angestarrt werde wie ein frisches steak im hundezwinger und ich dringend eine rauchen muss. als ich zurückkomme, redet wowi immernoch, ja, der csd sei eine politische veranstaltung, “aber die leute wollen ja auch spass haben”. ja, wowi, spass, aber warum denn nicht schon heute abend? inzwischen sagt der begleiter meines begleiters dass er ja durchaus politisch interessiert sei, dies doch aber nicht deren ernst oder ein trauerspiel oder ähnliches, was ich schon nicht mehr mitbekomme, weil da die liberale neocon ausbeutungsmaschine steht, die so gerne reicher, schöner und mächtiger wäre, leider reichts dann aber doch nur für den mittelmässigen mittelstand, was man aber natürlich nicht sagen darf, und deswegen wird dann mein ohr doch links urplötzlich taub. leider zu spät, denn die reden sind vorbei, doch nun erlaubt man der bühne den auftritt eines noch undefinierbareren wesens im plastikbrustpanzer, das sich für unterhaltsam hält und mich zu den umstehenden sagen lässt, der abend sei bitte, bitte nicht repräsentativ. bitte, bitte nicht.
ARMAND in Las Vegas
Vom Parkdeck des Casinos fliegt in hohem Bogen eine Bierflasche und es ist klar: Rockabillys sind harte Typen. Die Sicherheitskräfte vom der Spielhölle sind noch härter: Kaum sind die ersten Scherben auf dem Beton verteilt, rasen sie los aus der Ecke ihres Hauptquartiers gleich neben dem Eingang, und eine Passantin schreit „ich hab´s genau gesehen, der Junge mit den Tattoos war´s”. Was die Sache nicht gerade leichter macht: Hier sind fast alle tätowiert. Brüllende Hitze, obwohl die Wüstensonne schon lange hinter der Sierra Nevada verschwunden ist. Karfreitag in Las Vegas, 11 Uhr nachts und 38 Grad.
Von überall her sind sie gekommen, die Jungs, die aussehen wie Elvis Presley oder Little Richard, die Mädchen, auch sie tätowiert, auf den Brüsten, den Oberarmen, den Beinen, „die prügeln sich auch gern, die Girls” hat vorhin ein Taxifahrer gesagt. Petticoats haben sie an und die Frisuren zu Lampenschirmen betoniert, schwarzgefärbt sind die Haare bei fast allen, ein blonder Rocker, das wußte schon der King, ist ein toter Rocker. Sie haben Messer in den Taschen und scharfe Gegenstände in den Ohren, manche die Lippen durchstochen, sie mögen harte Drinks und noch härtere Sprüche, und wenn es drauf ankommt, dann fliegen die Fäuste. Oder eben mal die Bierflasche: Rockabilly ist ein Lebensstil.
Ein harter Stil: »Wir sind ihn leid, den ewigen Soap-Opera-Scheiß”, schreit Andrew auf dem parkdeck ins Mikrofon einer lächerlichen Verstärkeranlage, „hier geht es um´s wahre Leben.” Rockabilly ist Protest, hey, hier können die Männer mit Flaumbart richtig Gas geben, und natürlich gehört zu einem Rockabilly seine Rockabilly-Braut und sein Rockabilly-Car. Wie im Comic sieht es au, das typische Auto, hier auf der Betonfläche sind alle in reih und Glied geparkt, gewienert der Chrom, und auf billigen Camping-Klappstühlen aus den Fünfzigern sitzen sie da, die harten Männer mit den Riesentollen, und trinken Bier, Bier, Bier. Und wenn es aus ist, das Bier, dann werden die Frauen losgeschickt, neues holen. Und die gehen, ohne Murren, in ihren Petticoats, durch die Wüstensonne Nevadas, hin zur nächsten Tanke, oder ins Hotel, und holen Sixpacks — das Auto kriegen sie nicht, das chromglänzende, wo denkt man hin, das muß ja in der heißen Sonne stehen und blitzen und den anderen Rockern ein Vorbild sein, für den Lebensstil, den sie alle haben.
Sie ist ein Brennglas, die Szene, und in Nevada am Karfreitag wird das gerade besonders deutlich: Sie stehen für das Amerika, das einmal war, als die Vorgärten noch in Ordnung waren und das Camping gerade entdeckt war, als Eisenhower Präsident und der Mond noch unbemannt über den Himmel ging. Als die Schwarzen in den richtigen Vierteln wohnten, denn natürlich ist kein junger Rockabilly schwarz, nur einige Mexikaner werden geduldet, und spät in der Nacht eine Originale Band, die XXX, alte Herren, denen man unmöglich böse sein kann oder gar rassistisch gegenübertreten, bei dem guten alten Rock, den sie spielen.
Aber noch ist das Festival nicht in vollem Gang, dafür jagt Jack seinen Studebaker gerade im Leerlauf röhrend auf Hundert Meilen pro Stunde, „warte mal ab”, brüllt er, vor lauter Totenkopfringen kann er das Lenkrad kaum umgreifen, und das ist jetzt wichtig, weil er sich festhalten muß um besser das Gaspedal durchzudrücken, „schau mal zum Auspuff”, brüllt er jetzt, und wirklich, das schießen Flammen heraus, fast, wie bei einer kleinen Mondrakete, meterlange Flammen. Jack stellt den Motor ab und steigt aus dem Wagen. Er ist sehr klein und humpelt ein bißchen. Vielleicht schreit er ja deshalb dauernd rum und spuckt auf den Boden in seiner unten hochgerollten Jeans — die Haartolle verleiht ihm zwar mindestens fünf Zentimeter Körpergröße, aber richtig furchterregend sieht er immernoch nicht aus.
Aber richtig anlegen wollte man sich nicht mit ihm, und das wissen seine Freunde auch, die fachmännisch um die Auspuffgase herumstehen. Vorne, in der hochglanzpolierten Stoßstange, spiegelt sich Lina, Jacks Freundin, bis in Dekolleté hinein tätowiert und mit einem Gesichtsausdruck, als könne sie bis zu ihrem Ableben nicht mehr aufgeheitert werden. Sie hat die kleine Handtasche aus Plexiglas nicht ersteigern können, fünfzig Dollar waren einfach zuviel, und nun ist sie sauer. Während auf dem Parkdeck über Lautsprecher zwischen Flüchen, Rockbeats und dummen Witzen weiter Memorabilia, Kitsch und Schallplatten zum Verkauf geboten werden, sammeln sich keine zehn Meter entfernt an der Bar des Gold Coast Hotels die ersten Spieler vor den einarmigen Banditen.
„Welcome back” steht an dem riesigen Neonschild des Hotels am Flamingo Drive, über 3400 Fans sind aus aller Welt zusammengeströmt zum vierten „Viva Las Vegas”, und einer hat es organisiert: Tom Ingram, der Chef von „No Hit Rebens”, ein stiller, schmaler Mann, der aussieht wie eine Kreuzung von Elvis Presley und Billy the Kid. In Wirklichkeit ist er eine Legende.
ARMAND und David Mamet
ARMAND über die Alltäglichkeit
Das Tao des Toastes
Wie lange braucht Ihrer eigentlich? Bis er schön braun ist, goldbraun natürlich, wie ein Toast eben sein soll, wenn er denn richtig funktioniert: Der Toaster. Was er natürlich nicht tut. Warum auch, wir sind ja auch erst im Zeitalter der späten Quantenmechanik.
Da wäre einmal jener Knopf. Den man drücken muß, damit der Toast verschwindet, sobald man ihn eingelegt hat. Um geröstet zu werden. Schönes Versprechen der Technik. Drücke mich, und alles wird gut. Rührend, der Kleine. Schaut einen ja auch, genau besehen, schon ein wenig bedrohlich an. Oder, noch schlimmer, der Regler. Wie der Name schon sagt. Soll in aller Regel die Temperatureinstellung ermöglichen und den Farbwert des Toastes zwischen Goldbraun und Schwarz bestimmen. Tut er aber nicht. Weil das erste Gesetz der Toastermechanik lautet: Toastbrot wird immer schwarz. Man kennt das ja: Die Eltern haben sich am Frühstückstisch versammelt, das liebreizende Schwesterlein erbietet sich, das Brot in den Toaster auf dem Fensterbrett hinterm Vorhang zu stecken, man wartet, man unterhält sich beim Fünf-Minuten-Ei, und plötzlich steigt schwarzer Qualm auf und der Vorhang hinter einem steht in Flammen und die Mutter schreit und es gibt Schuldzuweisungen und der Sonntagmorgen ist dahin.
Ist schon ein rechtes Welträtsel, wieso der Mensch einerseits die Genetik vorantreibt und andererseits mit dem rußigen Zustand seines Frühstückes zufrieden ist. So ungefähr seit der Steinzeit. Als die meisten Mammutfilets auch Innen nicht mehr rosa gewesen sein sollen.
Die Angewohnheit, „eine Scheibe Brot vor trockene Hitze zu halten”, so schreibt es Alan Davidson in seinem nicht weniger als epochal zu nennenden Standardwerk „The Oxford companion to food”, entwickelte sich wohl aus einer glücklichen Kombination von offenen Feuerstellen und altem Brot. Von beidem hatten gerade die Engländer seit der Schlacht bei Hastings wohl im Überfluß. Was lag da näher, als aus altem Brot eine Tugend zu machen? „Der wirkliche Toast-Abhängige macht eine Menge Wind um dessen treffliche Zubereitung” heißt es weiter, „nimmt vorzugsweise einen Tag gereiftes Brot und besteht darauf, es zu essen, wenn es am heißesten ist.” Seit dem Mittelalter bekannt war der „tost”, nach dem Lateinischen „torrere, tostum” für „geröstet”: Brotkrumen, die man benutzte, um Saucen und Flüssigkeiten aufzusaugen, die geröstet wurden, um nicht sofort in ihre Bestandteile zu zerfallen. „Der attraktive Geruch kommt von der Auflösung von Zucker- und Stärkemolekülen an der Brotoberfläche” — der sogenannten Maillard-Reaktion — und soll je nach Hunger variieren. Fleischauflagen wurden im 16.Jahrhundert populär, damals allerdings waren sie noch manches Mal gesüßt, wie die beliebten Kalbsnieren in Rosenwasser. Zimttoast begeisterte das 17. Jahrhundert derart, dass erste Siedler ihre nahrhafte Marotte mit in die neue Welt nahmen.
Kein Wunder also, wenn der elektrische Toaster denn auch eine amerikanische Erfindung ist: Thomas Alpha Edison und Georg Westinghouse wetteiferten nach 1800 in der Elektrifizierung amerikanischer Großstädte, doch Edison hatte schon nahezu unüberwindbare Probleme damit, einen Glühwendeldraht für das Vakuum einer Glühbirne zu entwickeln — Toaster jedoch benötigten Material, das genug Stromwiderstand aufwies, um im Kontakt mit Luft ausreichend Röst-Hitze zu erzeugen — ohne sofort zu Schmelzen. Erst im Jahr 1908 gelang John Marsh eine Legierung aus Nickel und Chrom mit solchen Eigenschaften.
Die Trophäe für den ersten elektrischen Toaster der Weltgeschichte gebührt einem Mann aus Detroit: George Schneider, ein Angestellter der American Electric Heater Association, ließ sich nur zwei Monate nach Marshs Nichrom-Legierung ein zumindest nach Plan funktionstüchtiges Gerät patentieren, das allerdings nie gebaut wurde. Der erste kommerziell erfolgreiche Toaster wurde im Juli des Jahres 1909 einer hungrigen Weltöffentlichkeit vorgestellt: Das Modell D 12 von General Electric, ein Gerät von der Gestalt mittelalterlicher Folterinstrumente — und ähnlich effektiv.
Hatten bis dahin heugabelhafte Spieße und Draht-Stellagen am offenen Feuer brandgefährlich zur Toast-Herstellung gedient, so hielten nun metallische Haushalts-Schreine mit Kabelanschluß Einzug in die Küchen der Wohlstandsbürger. Eine Invasion von eckig-glänzenden Häßlichkeiten geriet in unmittelbare Nachbarschaft zum Menschen, fast so nah, wie heute das billige Plastik von Computern nahezu alle Lebensbereiche erfasst hat: Der Toaster als frühe Manifestation von Fortschrittsglauben, Konsumverhalten und (wie der Elektroherd) ganz nebenbei eine domistizierte Feuerstelle. Fortan trafen Familien weniger und weniger im flackernden Lichtschein des Kamins zusammen, sondern gruppierten sich hoffnungsfroh um ein Ding aus Blech, Keramik oder Bakelit. Eine Abbildung aus dem Jahr 1940 zeigt den Miniatur-Altar des modernen Durchschnittshaushaltes so: Auf einem Tablett sind Kaffetasse, Porzellanteller, Mixed Pickles, Tomaten und gekochte Eier zu einer kleinen Opfergabe an die Götter des Elektrons zusammengestellt, komplett mit Blumenvase und keck hervorlugenden Toastbrot. Vorn dran informiert ein Schildchen, dass es sich hier um den „Toastmaster” handelt — der nun nicht mehr dient, sondern bedient werden will. Der Anerkennung fordert und Demut im Umgang. Bei Mißachtung droht blitzartige Verbrennung. Und nicht ohne Grund werden die Toaster in der Bildsprache der Werbung häufig auf einem Berg von Brotscheiben fotografiert, der sich in den polierten Seitenfläche spiegelt: „Hier herrsche ich” soll das heißen, „füttert mich und erstarrt!”, eine Art des autoritären Industriedesigns, wie sie langsam fast alle Objekte, von Automobilen bis zu Eisenbahnen erfasst hat. So sieht der unangefochtene König der Toaster, der englische Dualit, in allen Modellvariationen aus wie eine chromstrahlende Dampflok. Eine metallgewordene Ode an die Technik, voller Tatendrang und Überzeugungskraft, unbezwingbar und nur mit Raffinesse zu bedienen — obschon er doch letztlich nichts anderes tut, als Brotscheiben zu rösten. Vielleicht sogar ist der moderne Toaster nichts anderes als eine letzte Konsequenz römischer Innenpolitik: Brot — und Spiele. ARMAND in Las Vegas
“Liebte ich ihn nicht schon, ich liebte ihn,
so einst, als ich ihn liebte für sein Lächeln,
die Augen, deren Strahlen Dringlichkeit,
mir manches Mal
zu schön´ren Lieblichkeiten half.
Liebte ich ihn nicht schon, ich liebte ihn,
wie Sand die Strände, Mondlicht Sterne sucht,
so sehr, dass Steine fliessend wurden bald,
und Diamanten dunkeln.”
…wenn man es sagen darf…
Wäre es nicht eine hervorragende Strategie, in der Times Square Bomben-Aktion ein Ablenkungsmanöver für eine verwundbare Ölplattform im Missisipidelta, gewissermassen davor, zu sehen, und damit dem Feind eine Umweltkatastrophe ungeahnten Ausmasses zu servieren?
Wer die Schönheit angeschaut mit Augen
Ist dem Tode schon anheimgegeben,
Wird für keinen Dienst auf Erden taugen,
Und doch wird er vor dem Tode beben,
Wer die Schönheit angeschaut mit Augen!
Ewig währt für ihn der Schmerz der Liebe,
Denn ein Tor nur kann auf Erden hoffen,
Zu genügen einem solchen Triebe:
Wen der Pfeil des Schönen je getroffen,
Ewig währt für ihn der Schmerz der Liebe!
Ach, er möchte wie ein Quell versiegen,
Jedem Hauch der Luft ein Gift entsaugen
Und den Tod aus jeder Blume riechen:
Wer die Schönheit angeschaut mit Augen,
Ach, er möchte wie ein Quell versiechen!
(August von Platen. 1796-1835)
So lasst uns nun singen von der Schönheit möchte man beginnen, und es
wird nicht einfach sein zu diesem so großgefassten Begriff, einem der in
der Kulturgeschichte wohl am höchsten ausgeformten menschlichen Ideal,
denn nur wo Menschen walten, ist die Schönheit erkannt. Der Mensch hat
sie in seiner 2,5 Millionen Jahren auf diesem unseren Planeten
definiert, aus welchen Beweggrund, die gilt es im Folgenden, neben so
vielem anderen zu ergründen, und wir wollen uns anschicken, dem Genüge
zu tun, unsere Betrachtungen über die Schönheit in Form zu gießen, ein
Stück Detektivarbeit also, an deren Ende vielleicht sogar ein Fazit
stehen wird – aber wollen wir nicht vorgreifen, wollen uns einlassen auf
eine Suche, die uns rund um den Erdball führen wird und in der Zeit
reisen, über Jahrhunderte, immer nur auf der Suche nach Schönheit – eine
eigene Ästhetik definierend: da wäre die Venusfigur, genannt die von
Willendorf, aus der jüngeren Altsteinzeit, dem Jungpaläolithikum eine
etwas beleibte Dame kleineren Formats, aus der Jungsteinzeit stammend
und wohl das damalige Schönheitsideal definierend, eine fruchtbare
Muttergottheit mit überdimensionierten Hüften und Brüsten, ein wahres
Meisterwerk, denn seltsamerweise definiert sich die Schönheit seit
Jahrhunderten am weiblichen, ein Umstand, der wenig verwunderlich ist,
den es hier aber zu entkräften gilt zu späterem Zeitpunkt. Wollen wir
uns also folglich zunächst bescheiden mit der Feststellung, dass da ein
Künstler waltet mit einer konkreten Vorstellung von dem, was er als
schön empfindet, hier wird fast Bewusstsein Vorstellung, hier wird
Wunsch zum Ideal, und ähnliches widerfährt den steineren Wänden der
Höhle von Lascaux, denn dorthin geht geschwind geschwind schon die
Reise, in die Dordogne, ins Tal de Vézère, zwei Kilometer südlich von
Montignac. Hier ist es, dass ein Künstler vor 17000 Jahren die wohl
anmutigsten Jagdszenen und Tiermalereien in Szene setzt, die die
Menschheit kennt, ob aus kultischen Gründen oder schierer Lust an der
Dekoration wird sich nicht klären lassen letztlich, aber wir können
erkennen, im Fackelschein der Zeit wohl, dass der Schönheit immer
Kultisches innewohnt bis in unsere Gegenwart, doch halt! Nicht so
schnell. Ist es denn nicht ein Zeichen von Intelligenz, etwas greifbar
werden zu lassen und recht eigentlich ins Leben zu rufen, aus der
Geisterwelt vielleicht, ein Anzuschauendes also, das in Mesopotamien in
den Kulturen von Ur und der Keilschrift sowie den erhaltenen sumerischen
Grabstelen eine weitere Ausprägung findet, um dann, Jahrhunderte später,
am Nil eine weitere Blüte zu finden, in Ägypten, das, wie Egon Friedell
in seiner „Kulturgeschichte Ägyptens“ bemerkt, über 3000 Jahre hinweg
nur mit dem Wirtschaftssystem des Tauschhandels existiert hat, weswegen
Aktien und Geld als offenbar völlig unnötig erachtet werden können… aber
wir schweifen ab. Da wären die Pyramiden, ein wohl an asketischer
Schönheit in der reinen Form unerreichtes Zeugnis von geometrischer
Ausgewogenheit, das bis auf den heutigen Tag, wer wolle es leugnen wenn
es denn gelingt, die Fellachen von ihrem Souvenirverkauf und
Bakschischwunsch abzubringen für einige Minuten in Gizeh (wobei das Nile
Hilton direkt am Nil sehr zu empfehlen ist), einzig vielleicht
übertroffen vom Tempel de Hatschepsut, nun sind wir schon in Luxor, im
Tal der Königinnen – ein Gebäude mithin, in drei Terrassen aufgeteilt.
Das direkt auf der Achse des Tempels von Karnak gelegen ist und seltsam
an eine New Yorker Privatbank erinnert, vielleicht durch die
unnachahmliche Anordnung der Säulenreihen und der Darstellung der
Expedition von Punt, die die junge Königin, wohl nubischen Ursprungs und
also schwarz, ausrichten liess. Dass Hatschepsut eine Schönheit war,
wird niemand verwundern, der pharaonische Heiratsgepflogenheiten
studiert hat, denn natürlich nahm sich Pharao eine Schönheit zur Frau,
und es ist schon sehr eigenartig, dass der abtrünnige Echnaton samt
seiner Gattin Nofretete in seinen Abbildern das Auge in seiner
überfeinerten Eleganz vielleicht tiefer erfreut als vergleichbare
Kolossalstatuen des Ramses erfreut.
Und dann – ach! – Griechenland, 700 v. Christi Geburt, und wieder ist es
Friedell, der in seiner „Kulturgeschichte Griechenlands“ für das Streben
der Dorer nach Schönheit vor allem dem Licht, der über Hellas
strahlenden Sonne die Schuld gibt, und was schafft nicht Griechenland
unübertroffen an Ästhetik in die Welt, an Vasenmalerei und luftigen
Tempeln und – man muss es sagen, an Skulpturen und Menschenantlitzen in
strahlendem, weißem Marmor (der tatsächlich bemalt war), von den man den
besten Eindruck entweder im Louvre zu Paris vor der Nike vo Samothrake,
in der Statuenhalle des Metropolitan Museum in New York einen besseren
Eindruck zu gewinnen imstande. Es bleibt zu bemerken, dass die
Dargestellten, etwa der Apoll dort, in blond gedacht war, denn so sahen
sie aus die Dorer, hellhäutig und eben nun dem attischen Lichte
ausgesetzt, das sie zu Gesetzgebung und Geometrie, zu Seeschlachten und
Philosophie brachte, zu Praxiteles schliesslich, dem Baumeister des
Parthenon und Perikles, seinem Auftraggeber. Das Mausoleum von
Halikarnassos, das Grabmal des Mausolos ist hier zu nennen, nicht ohne
Grund eines der Weltwunder, und der Betrachter damals mag so etwas wie
Nähe zu den Göttern empfunden haben, der Sinn der Schönheit nach
Überzeugung des alten Griechenlands, und nicht umsonst rufen die
Vasenbildner auf ihren Darstellungen von Athleten immer wieder „Kalos,
Kalos“ aus, ja, er ist schön! Es darf angemerkt sein und es sei dem
Autoren dies Abschweifung erlaubt, dass die körperliche Schönheit
vielleicht der im Adel auftretenden Epheben jener Zeit eines der
gerühmtesten Ideale jener Epoche ist, und man mag sich dem Vorwurf der
Rennaissance ausgesetzt sehen, dass es hier eben die männliche Schönheit
ist, die ihre vielleicht höchste Ausprägung in der Menschheitsgeschichte
hat, von den Darstellungen einer Leni Riefenstahl – die ich sogar
gekannt - und ihr folgend eines Bruce Weber einmal abgesehen, aber wir
greifen vor. Dennoch sei die Kylix aus dem fünften Jahrhundert vor
Christus erinnert, weissgrundig die Aphrodite auf einer Gans reitend
zeigend, im British Museum zu bestaunen – da war ein Meister am Werk.
Zunächst also zu Kaiser Hadrian, der im reiferen Alter in den Hainen
Bythiniens jenen Jüngling namens Antinoos erblickt, der ihn nach dessem
tragischen Tod im Nil – bis heute hält sich die Theorie, der Junge hätte
sich aus Liebe geopfert um dem Kaiser lange Regierungszeit zu erflehen –
als letzten Menschen de Geschichte zum Gott erklären lässt, nachdem er
unzählige Bildnisse in Auftrag gibt, von denen uns eine der schönsten im
Alten Museum zu Berlin stolz entgegenblickt, und da ist sie, die
Vermählung von Schönheit und Liebe, die in der Liebe zu Gott sich dann
in byzantinischen Mosaiken Ostroms hohe Eleganz entwickeln wird, wie im
Gold der Skythen oder etwa dann, na einem unerklärlichen Rückfall der
darstellenden Kunst im tiefen Mittelalter – wie stümperhaft nehmen sich
die Schlachtszenen im Teppich von Bayeux aus, die König Harald in seiner
ersten und letzten Schlacht gegen die Normannen im Jahre 1066, der
Schlacht von Hastings zeigen! Majestät sterben übrigens durch einen
Pfeil ins Auge, doch das ist eine andere Geschichte, die an anderer
Stelle Erwähnung finden muss. Und ja, wir springen in der Zeit, weil
Westrom nach dem Ansturm der Barbaren nur noch aus entvölkerten Ruinen
besteht und die Tage von Julian, dem letzten Verfechter der alten
Gottheiten gegen das konstantinische Christentum ein letztes Aufbäumen
findet (wie man im gleichlautenden Roman meines Brieffreundes Gore Vidal
lebendig nachvollziehen kann). Solche Ausprägung lässt sich erst wieder
bei Raphael finden und auch die Holbeins, älterer wie jüngerer möchten
genannt sein, als der Mensch endlich wieder in das Hauptaugenmerk der
Kunst gerückt ist, dies vielleicht der wertvollste Beitrag der sich über
die Alpen ausbreitenden Renaissance, wobei die zuvor stattfindende Gotik
in Frankreich – warum bloß baut man wie in Vollendung in Chartres,
allerorten Kathedralen? Noch zum höheren Ruhme Gottes… Dann also betritt
mit Petrarcas Sonetten an seine Geliebte der Mensch wieder die Bühne des
Daseins in der Kunst, so wie er sie in der Anschau der Philosophen
erneut erringt. Der wunderbare Jüngling eines Marmorreliefs aus dem 16.
Jahrhundert (Victoria & Albert Museum) ist da schon reifer, ein
selbstbewusster Mann ist im Profil zu sehen, und schon bald ist die
Bühne frei für La Gioconda, die Mona Lisa, die hier freilich nicht
fehlen darf, ebenso wenig wie die schaumgeborene Venus von Sandro
Boticelli (1445 – 1510). In Persien geraten die Miniaturen ans Licht, in
China das Porzellan (hier darf ich auf meine Roman Porcella hinweisen,
wer wollte es mir verdenken, Plöttner Verlag, Leipzig 2010), überall auf
dem Erdenrund formt der Mensch, und immer ist da der Wunsch, dem Auge zu
gefallen. Thomas Mann schreibt, ich glaube in seinen Tagebüchern
(S.Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1977) über die Leichtigkeit, mit
dem ein Gesicht aus den Fugen geraten kann, das gerade noch durch seine
Anmut bestach, einfach, weil es sich verändert, aber vielleicht erwähnt
er es auch an anderer Stelle, was für uns hier ganz einerlei ist: Immer
will der Mensch eigentlich die reine Form, die Reduktion auf das Ideale,
und solcherart sind die Definitionslinien, die der Schönheit den Weg
weisen und sie umgrenzen. Naturgemäß darf Oscar Wilde in dieser
Schilderung nicht fehlen, sein Dorian Gray definiert eine Epoche, die
Erkenntnis mithin, dass Schönheit schuldhaft zu werden imstande, denn da
ist dieser gottgleiche Jüngling, an dessen Stelle sein Bildnis altert –
ewiger Menschheitstraum, die ewige Jugend, und er kann verworfen werden
und sündig, aber seine Attraktivität kann sich niemand entziehen. Da
liegt Gesellschaftskritik, und ich möchte auf Tolstois „Krieg und
Frieden verweisen, in dem die schöne Prinzessin Helena Pierre aus
Gewinnsucht heiratet, auch er kann sich ihrer Anmut kaum entziehen,
obwohl die Salons von ihrer Durchtriebenheit, ja Bosheit, ihrer
Treulosigkeit atemlos sind – und da ist die Frage, die sich auch in
meinem Privatleben, ich darf persönlich werden, die sich immer stellt:
Ist die Leichtigkeit, mit der die Welt vor Schönheit zu Füssen sinkt,
eine Voraussetzung, eine Anlage zu Bosheit, zu Ausnutzen, eine Art Rache
mithin der mit dem Kainsmal der Anziehung Versehenen, ein Mittel, sich
an der Oberflächlichkeit der Welt sich zu rächen? Ich traf, es mag Ende
der Neunziger gewesen sein, Kate Moss im Sanderson Hotel, man setzte sie
dem „german publisher“ an den Tisch, nachmittags hatte ich noch Jessye
Norman interviewt und war ganz erfüllt von ihrer Herzensgüte, und dann,
man muss es sagen, dieses Weib, das nicht nur die Impertinenz besass,
mich nach meinen sexuellen Vorlieben zu fragen, sondern dann spät am
Abend, meinen Aufzug nehmend, fragte, „are you stalking us“ – verfolgen
Sie uns“ – und welche tiefe Befriedigung lag da in meinen Worten, als
ich antwortete, „no, Kate, I am going to bed“ – nichts war da von der,
man hofft es ja immer, jumelage von Schönheit und Charakter, auf die
Dichter seit Shakespeare immer gehofft „oh thou, my lovely boy“, die den
Griechen so vorbildhafte Einigung von Geist und körperlicher Anziehung –
nein, da war sie wahrlich nicht, aber was gilt es zu erwarten von einem
Mädchen, dass früh gelernt hat, von Männern stets begehrt zu sein,
gleichsam ohne Gegenleistung, in der Verdammnis ihres Körpers lebend und
für nichts anderes geschätzt. Ich darf sagen, dass die Kette meiner
Lieben sich ebenfalls durch bezaubernde Fügung der Züge immer schon
definierte, ja, ich bin Ästhet, aber wenn sich dazu nicht Güte und
Intelligenz gesellte, war mir die Schönheit meiner Geliebten schnell
schal. Nichts ist ernüchternder, als jemand, der sich nur auf sein ach
so hinfälliges und dem Altern unterworfenes Lärvchen verlässt und es
unterlässt, für die Bildung des Geistes Sorge zu tragen – war da nicht
auch Capucine, betörend schön anzuschauen in den Krimis des Rosaroten
Panters an der Seite von Peter Sellars, die sich entkräftet und an ihrer
verflossenen Grazie erinnernd von ihrem Balkon stürzte, die Arme, auf
ihr Aussehen reduzierte, und ich las auch die Memoiren der Garbo, die
sich ähnlich Marlene Dietrich im Alter von der Welt zurückzog,
Callas-gleich, weil man ihr eben nicht mehr zu Füssen lag. Ja, man muss
es sagen an dieser Stelle, der Schönheit liegt Tragik inne und manche
Schönen verzweifeln an ihr: Wer sich in der Welt der Mode umhertrieb,
wie ich es getan, ist oftmals entsetzt von der Objektifizierung der
Menschen, die Glück und Fluch ihres guten Aussehens ertragen müssen,
Photographen, die, wie etwa F.C. Gundlach sagen, „dann kommt sie wieder,
die furchtbare Frage: Erkennen Sie mich noch“, wenn er gewahr wird, dass
die ältere Dame in strahlender Jugend ihm vor der Linse war, und dass
davon nun nichts mehr ist. Der Werbe- und Konsumwelt ist hier Kritik zu
tun, der überbordenden Halbheiten des Gewerbes und der Bilderflut, die
uns umgibt, deren Reissen noch zunehmen wird. Ich denke an Werner
Schreyer, einen Jungen aus der Wiener Vorstadt, entdeckt als Beau,
abgelichtet hunderttausendfach und dem vergessen anheimgefallen, an
Markus Schenkenberg, dessen Wuchs ihm Karriere, an Boris Kodjoe, den ich
begleitet, und dessen persönliche Tragik darin Bestand, als
wohlgeratenes Produkt der Wohlversorgtheit Deutschlands entsprungen zu
sein, um amerikanischen Ghettokids zum modischen Vorbild zu gereichen,
dass sie in ihren Suburbs nie würden erlangen können – dass ich dies
aufschrieb führte zu brieflichem Wutanfall seiner Mutter. Alain Delon
wurde als Hafenarbeiter entdeckt – meine Muse hat tatsächlich grosse,
wenn auch blonde Ähnlichkeit mit ihm, ich muss es sagen und man darf es
einem Ästheten vorwerfen vielleicht, aber wäre da nicht die Reinheit
seines Herzens, sein Güte, es wäre mir alles nichts, ein apercu, man
möge es mir nachsehen, und Helmut Berger! Wie tritt er uns entgegen in
Viscontis „Ludwig II.“ und wie benimmt er sich heute, sich vor dem
mitgereisten Photografen des Stern auf das Peinlichste entblößend,
entblödend geradezu und man betrauert es fast, dass der größte Regisseur
vielleicht aller Zeiten, Luchino Visconti eben, ihn als Pagen entdeckt
und ihn hervorzieht ins Antlitz der Massen. Tadzio aus Manns „Tod in
Venedig“ muss hier fallen, er noch unschuldig und von Aschenbach auf das
Keuscheste angebetet – ihn, den großen Dichter zugrunde richtend, „Und
noch desselben Tages empfing eine respektvoll erschütterte Welt die
Nachricht von seinem Tode“ – da wird Schicksal Bewandnis, und nicht ohne
Grund bete ich meinen C. eben an, einfach, weil er ist, und weil ich
dankbar unendlich, dass sich da Kohlenstoffatome an einem völlig
zufälligen Ort im Universum zu solcher Perfektion ausgebildet haben,
auch wenn die Zeit dem alsbald in einem Wimpernschlag – horror of
horrors! – ein Ende bereiten wird, und ach!, läge es fern, ihr Götter!
Wir springen ein wenig in der Zeit, weil es mir, dem Autoren dieser
Zeilen, einfach kurzweiliger, und ich nenne Lucrezia Borgia, den
Augapfel ihres Vater-Papstes, begehrt-berüchtigt, eine Giftmischerin,
ich verweise an Julia selbst, die vierzehnjährig den Liebenden der Welt
dank William – „an fünf Tagen schuf Gott die Welt, am sechsten erschuf
er Shakespeare“ ruft Dietrich Schwanitz, viel zu früh von uns gegangen,
aus – zu ewigem Vorbild gereicht. Cyrano de Bergerac darf hier
gleichfalls nicht fehlen, dessen Nase ihm zum Verhängnis (aufgespießt
florettweis hätte er mich, wäre ich ihm begegnet mit dieser Bemerkung
auf den Lippen), und auf dem Totenbett verlangt Ludwig XV. „bringt mir
die Dubarry“, weil er sie eben auch ihrer noch in reifem Alter
vorhandene Schönheit, aber auch ihres spritzigen Geistes wegen liebt,
immer noch, da ist sie aus Versailles bereits verbannt.
Und dann plötzlich scheint sie auf, die Gnade: Dionysos, der Bacchant,
der stets trunkenen, liebevoll wieder dargestellt auf attischen
Vasenwänden, ausser Rand und Band, und da ist sie, die Greisin, gesehen
in der Hamburger U-Bahn, in ihrer Disbalance der Züge von Rubens zu
Papier, zu Karton, zu Leinwand gebracht – erlösendes Wort vielleicht,
auch dies nicht ungenannt: „Schönheit liegt im Auge des Betrachters“ und
wahrlich, da liegt sie gut.
Dass sie, die Schönheit dadurch auch immer sich selbst ähnelt, mag man
der modernen Bilderflut aus Mode und Werbung entnehmen, die täglich auf
uns einstürmt, und ich bin der erste zuzugeben, dass mir der Schwarm von
aus der Kehle schreienden Blondinen ununterscheidbar untereinander, ein
steter Strom des Wunsches im Beschauer, sich des Göttlichen zu
versichern, dergestalt, dass da wo Schönheit waltet, die Welt noch nicht
am Ende sein kann, die große Verführerin, und ja, ich betrachte meine
Muse gern und werde inspiriert zu Dingen wie diesem hier, und bin´s
zufrieden.
HARALD NICOLAS STAZOL
Ein Piercing wird zum Pièce de Resistance, zum Stein des Anstosses, Heidi Klum nimmt Anstoß daran, und als das Möchtegern-Model-Mädchen sagt, sie, Heidi, selbst hätte doch auch ein Tattoo, sagt Heidi jenen Satz. Einen Satz, den man kaum glauben kann. Sie redet vom Ende ihrer Karriere, das nun erreicht sei, und eine Nation hält den Atem an. Gerade hat sich noch der Boulevard auf sie eingeschossen, immer nur zerrt die Presse am Image – Deutschland liebt seine Heidi nicht mehr. Die neueste Staffel von „Germany´s Next Topmodel“ – es könnte Heidi´s letzte sein. In Deutschland. In ihrer Wahlheimat USA ist die Karriere noch lange nicht beendet, man hört von einigen, sicher gewinnbringenden Projekten, man hat keinen Zweifel daran, Heidi wird weitermachen, und wenn sie 2015 eine Home Interior Linie aufmacht. Man muss sich um sie keine Sorgen machen. Sie hat bereits einen Plan, soviel ist sicher. Und vielleicht war´s ja auch nur ein PR-Gag, um wieder in die Schlagzeilen zu geraten. Aber Deutschland macht sich gerne Sorgen.
Wäre sie ein Container, die Deutschen würden sie lieben: Heidi Klum, Exportweltmeisterin ihres unbestrittenen Talents, sich ungestüm selbst zu vermarkten, Heidi Klum, die über Schönheit gebietende Halbgöttin, Heidi, die Mutter von vier Kindern, glücklich verheiratet und sogar auf den Oscars verehrt, in den USA der deutsche Schlager – nun, daheim gilt sie nichts, das Model, das so recht wohl nie eins war.
Eigentlich hat sie doch niemand was getan. Gut, da ist ihre Stimme, die selbst einem Thomas Gottschalk die Schweissperlen ins Gesicht treibt, und ja, da ist „Germany´s next Topmodel“, ein Fernsehtraum, der trotz Echo-Preisverleihung bei den Öffentlich-Rechtlichen den Privaten noch 19 Prozent Einschaltquote bringt – wen stört es, dass das Format ein gut erzähltes Märchen ist, vom Mädchen, das auszog, das Modeln zu lernen. Und von dem dabei Dinge verlangt werden, die auf keinem Laufsteg der Welt üblich sind, doch woher soll Heidi das wissen, auf den Wichtigen war sie nie, „ich kenne Sie nicht, sie war nie in meiner Schau“, ätzt Karl Lagerfeld, „Claudia kennt die auch nicht, die war nie in Paris“ – warum auch? Sounds like a personal problem, Karl! „Wer ist eigentlich Karl? Karl Who?“ war ihre Antwort. Touché! Seit wann ist es eine Sünde, nicht für Chanel gelaufen zu sein? Und trotzdem hämt die Republik.
Es ist ein Seltsames an den Deutschen, dass sie die, die sie verehren, plötzlich fallenlassen und auf sie einhauen, als würden sie sich selbst nicht verzeihen, einmal so begehrt zu haben. „Yet each man kills the thing he loves“ bemerkte Oscar Wilde einst, und genauso ist es, zumindest in Deutschland. Da ist Herr Joop - wer ist eigentlich Wolfgang Joop, in Amerika reüssierte er nie und ein Weltstar ist er auch nicht, auch wenn sein „Wunderkind“ als einziges deutsches Label in Paris zugelassen ist auf den Schauen – der unaufgefordert „ich weiss nicht, was an Heidi echt ist“ zu Protokoll gibt – aber wer hat denn je verlangt, im Blitzlichtgewitter echt zu sein?
Heidi Klum, eine Mischung aus „Yes we can!“ und „Du bist Deutschland“? Möglich ist es.
Dass sie zu ihren Fältchen steht, „die habe ich eines Morgens entdeckt, und gleich eine neue Kosmetiklinie aufgelegt“ – wer könnte das schon, aus dem Stand, und gehen Lagerfeld oder Wolle Joop – eigentlich nicht im gleichen Atemzug zu nennen - so offen mit ihrem Alter um?
Sie hat vier Kinder, sie hat eine, so scheint es, glückliche Ehe, sie kriegt noch ne eigene Karriere hin – was sagt eigentlich Frau von der Leyen zu so einer selbstbewussten jungen Frau, die ihr Leben und ihre Laufbahn so gut im Griff hat und auch noch ein tolles, schönes Familienleben hinkriegt? Wer einmal gesehen hat, wie Heidi ihre drei Monate alte Lou im Arm trägt und ihr Gesicht vor den Paparazzi schützt, der kann an dieser Harmonie nicht ernsthaft zweifeln. Klar, hier, in den USA, da wird Karriere gemacht wie selten, da wartet eine Lizenz für Umstandskleidung, da wartet Victoria´s Secret, denen es egal ist, ob Heidi ein paar Pfunde mehr drauf hat, da wartet dieser diamantbesetzte BH für mehrere Millionen einer Währung Ihrer Wahl.
Sind die Deutschen nicht fähig zur Abstraktion? Ist da etwa kollektive Verbitterung? Weltschmerz gar? Was bitte macht denn ein Mädchen, die entdeckt wird und dem plötzlich alle Türen offen stehen, einfach, weil sie schön ist? Welche andere Frauenrolle kann denn ähnlich schnell besetzt werden? Heidi als Bundeskanzlerin? In den USA liebt man solche Geschichten, es ist ein Abklatsch der Gesellschaftsblätter, Erfolg macht sexy, jeder New Yorker Taxifahrer freut sich mit dem Fahrgast, wenn der ein gutes Geschäft abgeschlossen hat, Neid kennt die US-amerikanische Gesellschaft so nicht.
Und sie selbst? Sie scheint das alles eher gelassen zu sehen, und sie weiss, dass ihr Volk jede Sekretärin ausspäht, ob die etwa schon wieder neue Schuhe hat. Wenn, dann ist es ein stilles Leid, dass Heidi hat oder eins, über das sie längst hinweg ist. Die Kleingeister, die Kleinbürger, die Kleinmütigen, die ja so gern auch mal ein Star wären und ihr jeden Atemzug neiden. Und GNTM ist da das Ventil, für die Mädchen, die etwas gerade gewachsen sind und glauben, die nächste Auermann zu sein.
Dass Heidi Klums Atemzüge einem den Atem stocken lassen, wenn sie auf dem roten Teppich wieder einmal einherschwebt, dass sie bislang in der Wahl ihrer Garderobe guten Geschmack gezeigt hat – man denke nur an die Oscarnacht, ihr Kleid aus schwarzem Seidenmoirée und die Rivière aus Diamanten? In echt war es nur aufgestickter Strass – aber wir sprechen von einer Mutter und Ehefrau im Stress. Wir sprechen von einer vierfachen Mutter.
Dass sie mit einem rotlogo-verzierten Blatt nicht spricht, nicht sprechen will, weil sie sich auf dieses Niveau nicht herablassen will, wer wollte ihr das verdenken? Wo steht denn geschrieben, dass man sich erst hochschreiben lassen muss, um bald darauf wieder niedergeschrieben zu werden? Verehren, Fallenlassen, Draufhaun. Made in Germany.
Und damit das nicht passiert, gibt es ihren Vater Günther, der so ziemlich alles regelt und schon mal nen Hartz-IV-Empfänger verklagt, der Heidis Lippen (!) abfotografiert hat (!!), um eine Collage zum persönlichen Gebrauch zu machen (!!!). Der Zweck Heidi Klum heiligt die Mittel, die Gesichter der Kinder müssen in deutschen Blättern immer gepixelt werden – in den USA gilt dieses Reglement natürlich nicht. Sie hat es auf das Titelblatt des Wirtschaftsmagazins Forbes gebracht, ihre Einnahmen wurden 2006 schon auf 7,5 Millionen pro Jahr geschätzt, in einer Währung Ihrer Wahl.
Natürlich macht sich so eine Frau Feinde, ihren Ex-Kollegen, Amin Peymann etwa, den sie offenbar kalt abserviert hat: „Als ihr Modelagent machte ich sie in Deutschland bekannt und verschaffte ihr 1999 den ersten Auftritt bei ‘Wetten, dass…?’”, erzählte Amin der “BamS”. “Da war Heidi zwar in den USA ein Star, aber in Deutschland nicht interessant. Diese gemeinsame Zeit mit einem Satz in einer E-Mail zu beenden, ist nicht sehr freundschaftlich.” Im Chat schreibt er etwas verbitterter „Ich amüsiere mich köstlich :)“ – Hauptsache in den Medien, Hauptsache noch beim Gefeuertwerden bemitleidet – und Heidis Ruhm auch noch mitbenutzt. Wer sagt, dass man solche Leute nicht als Feinde will?
Im Jahr 2002 bringt der Inselstaat Grenada eine Heidi-Klum-Briefmarke heraus, eine Ehre, die ihr wohl so schnell niemand nachmacht. Sie ist eine Deutsche, sie ist eine von uns. Kann man da nicht einfach mal applaudieren?
Heidi Klum vereint die so selten gewordene Air mit Anstand, und schon in ihrer Botschafterfunktion in den USA ist sie der Inbegriff einer deutschen Frau, die für ihre Leistung respektiert wird. Eine ähnliche Einstellung ist von deutschem Publikum selten zu erwarten. Wir leben in einer schnelllebigen Medienwelt, da muss Skandal und Rachsucht her. GNTP ist ja Teil einer Dramaturgie, und auch die Klum ist ein Teil von ihr – Shows in diesem Format laufen so.
„Meine Karriere ist am Ende“? Das, liebe Frau Klum, wollen wir doch nicht hoffen. Deutschland braucht sie. Und die Welt. Und es kostet Sie nur ein Lächeln.
HARALD NICOLAS STAZOL
http://gare-des-robes.net/
merci pour votre confidance, HNS, Lord Darlington
@05 Lauftext:
Kate weint, und sie weint selten. Sie sagt alles ab. Ist nicht zu sprechen. Für niemanden. Sie bleibt zuhaus und spielt mit ihrer Tochter. Die fragt sich, warum Mum Tränen in den Augen hat. Und was soll Mum denn jetzt sagen, der kleinen Lila Grace? Sie ist doch erst acht! Aber Onkel „Lee“ kennt sie, so heisst Alexander McQueen für Kate, für Freunde, für seine Familie - nun, er wird nicht mehr kommen. Wie soll man einem kleinen Mädchen denn sonst den Tod erklären? Einen Selbstmord? Unmöglich.
Das weisse Stadthaus in Camden an der Primrose Hill Road, Kates Heim, es liegt still da. Keine Party heute, morgen, kein Dinner mit Freunden, bis auf weiteres nicht. Gerade erst hat Kate Moss ihre Handtaschenkollektion für Longchamp vorgestellt, energetisch und jugendfrisch hat die 36jährige in New York gewirkt und Kette geraucht, natürlich. Sie, die doch seit den 90ern eigentlich keine Interviews mehr gibt. Eine ihrer Taschen soll Platz für zwei Flaschen haben, ein lederner Getränkehalter, „ideal für Rockkonzerte wie Glastonbury“, hat sie gescherzt und gelächelt, eines ihrer seltenen Lächeln, die schöne, vielleicht schönste Frau der Welt. Doch wer denkt jetzt noch an Handtaschen? Keine Pressetermine wird sie in den nächsten Tagen wahrnehmen, keinen Empfang besuchen, den Paparazzi, die vor ihrer Haustür lauern, keine Angriffsfläche bieten. Einmal nur am Wochenende geht sie kurz vor die Tür, im grauen, schmalen Pelz, mit riesiger Sonnenbrille, eine feine, zweireihigen Goldkette um den Hals. Müde sieht sie aus, gefasst, aber erschöpft. Sie geht zu einem Laden für Kinderkleidung und ja, ihr Arzttermin ist da noch, beides lässt sich nicht aufschieben - aber ihre Augen sind so verheult, dass sie ihre Sonnenbrille trotz des trüben, Londoner Winterwetters nicht abnimmt. Fast kraftlos huscht sie an den Fotografen vorbei, die sie auf Schritt und Tritt verfolgen. Das ist der Preis, wenn man ein Leben im Rampenlicht führt, wenn man weltberühmt ist. Wahrscheinlich gibt es mehr Abbildungen von ihr als von der heiligen Jungfrau, aber das ist ihr jetzt egal. Sie, die ohnehin manchmal von Melancholie heimgesucht wird, nun, es liegen dunkle Tage vor ihr. Sie, die alles hat, Ruhm, Reichtum, Schönheit, ist schwer getroffen.
Ein Halt ist Lila Grace. „Ich bin Mutter“, sagt Kate einmal ganz weich, „jeden Tag, immer, und ich bringe sie jeden Abend selbst zu Bett.“ Das Mädchen fragt sogar manchmal, ganz die Mama, „,sieht dieser Look gut aus?“ Dann lächelt Kate. Doch diesen Abend, noch viele Abende, wird sie sich nichts anmerken lassen, sich für das Kind zusammenreissen und nur traurig lächeln.
Kate hat ihn wohl geliebt, auf ihre Weise, ihren „Lee“, den dieWelt als Alexander McQueen kennt und der sich nun erhängt hat. Sie ist „am Boden zerstört“. Die beiden verband etwas, was in der Modewelt sehr selten ist: Eine wahre Freundschaft.
Immer steht er zu ihr. Als sie beim Koksen fotografiert wird und die Zeitungen das Bild ganzseitig bringen am 15. September 2005, als sie abzustürzen droht aus dem Olymp der Modewelt. Als Werbeverträge gekündigt werden und die britische Presse sie fertigmacht.. Als niemand mehr zu ihr hält: „We love you Kate“, steht da auf Alexanders T-Shirt, so nimmt er 2005 in Paris die Ovationen des Publikums entgegen. Die Drogen, das Koks auf Silbertabletts, Parties, die drei Tage dauern, er kennt das alles. McQueen ist es, der seine Freundin auf den Laufsteg zurückholt, in Paris 2006, als spektakuläre Holographie. Unter einer riesigen Glaspyramide schwebt sie zur Geigenmusik von „Schindler´s Liste“, ganz in weiss, eine geisterhafte Erscheinung, eine Fee, Nichts anderes ist sie für ihn.
Sie ist die Zerbrechliche, er der kerlige Typ. Wenn er sie in den Arm nimmt auf dem roten Teppich, ist er ganz vorsichtig. So, als wolle er sie nicht zerquetschen. Ihr Umgang ist fast zärtlich, sie freuen sich wirklich, wenn sie sich sehen. Dass am Ende McQueen der Zerbrechlichere von beiden ist, ja, dass er am Leben zerbricht, man ahnt es noch nicht. Doch auch ihn überfällt manchmal Melancholie. Vor den Schauen ist er oft cholerisch – aber als sie in der angesagten Purple Bar im Sanderson Hotel zufällig einmal am Nebentisch sitzt, zusammen mit ihren „Freunden“ Jade Jagger und dem Verlagserben Dan Macmillan, ist sie auch missgelaunt und frech, geradezu unverschämt. Es ist fast, als hätte sie sich einen Schutzpanzer angelegt, ihr Misstrauen gegenüber Fremden ist groß. „Are you stalking us“ fragt sie sofort und es ist nicht leicht, diesen Verdacht auszuräumen und dabei höflich zu bleiben. Der Druck ist groß in der Welt der Mode. Und die kann grausam sein.
Den Sohn eines Taxifahrers und die Tochter einer Barfrau verbindet viel. Katerine Anne Moss kommt aus Croydon, einem tristen Londoner Vorort, Lee Alexander McQueen aus Stepney, einem Proletarierviertel im Osten Londons. Sie landet mit 16 Jahren die Calvin-Klein-Kampagne, definiert den „Heroin Chic“ , bricht die Herrschaft von Claudia Schiffer und Naomi Campbell endgültig. Wie nebenbei legt sie sich ein „Fuck-you-all“-Image zu. Man wirft ihr vor, dass sie magersüchtig sei, sie sagt: „Nur weil ich aussehe wie zwölf“, und ihre Augen funkeln kalt. Sie hat sich einen stählernen Blick angewöhnt, und manchmal scheint ihr alles egal zu sein. Lee aber ist ihr nicht egal.
Ihr Aufstieg ist kometenhaft und seiner auch: Im Jahr 1996 schreibt McQueen mit seiner „Higland Rape“-Show Modegeschichte, die Models sehen aus, als wären sie von britischen Kolonialtruppen vergewaltigt worden, Tartans, messerscharfe Schnitte, harte Beats aus den Lautsprechern – es ist, als hätte Coco Chanel nie gelebt. Mit nur 26 Jahren wird er vom Haute-Couture-Haus Givenchy engagiert, da gilt er schon als genial. Niemand kann mit Stoffen und Schere so gut umgehen, wie Lee Alexander McQueen. Und niemand kann so schön vor den Kameras der Topfotografen posieren wie Katerine Anne Moss.
Alexander und Kate, sie sind jetzt das Doppelgestirn am britischen Modehimmel, beide „enfants terribles“, weltberühmt, unangefochten.
Scheu sind sie beide privat. Und einsam auch. Sie suchen in der oberflächlichen Welt der Mode nach jemandem, der Halt geben kann, endlich verlässlich ist, nach der grossen Liebe vielleicht. Auch das verbindet.
Eines Tages ist es soweit. Für ihn. Kate Moss sitzt mit beim Dinner im Groucho Club, so nahe sind sie sich, es ist ein intimer Kreis, als Alexander seinem neuen Freund George einen Antrag macht. Sofort will sie Brautjungfer sein. Im Hafen von Ibiza Stadt, an Bord einer Yacht, sind dann all diese Küsschen-Küsschen-Freunde. Irgendwann steht George alleine da und Jude Law kommt auf ihn zu und sagt „Du kennst hier niemanden, nicht wahr?“ Es ist die reine Wahrheit, denn in dieser Party-Possy kennt eigentlich niemand jemanden wirklich, es ist eine leere, eine traurige Welt, in der nur der Schein zählt. Und eben der Erfolg. George gehört einfach nicht dazu. Als er Kate etwas später auf der Strasse in London trifft und sie anspricht, geht sie einfach weiter. Da ist er wieder, der Schutzpanzer: „Sie hat mich nicht mal beachtet, meine eigene Brautjungfer“. Alexander erklärt ihm einmal, dass die Modewelt eben so sei. Dass es auch für ihn nicht einfach ist. Da ist die Ehe der beiden schon zum Scheitern verurteilt.
Als McQueen die Anteile an seinem eigenen Label für 20 Millionen Pfund an die Gucci-Group verkauft, 2001, gehört Kate schon zu den reichsten Frauen Englands, so ziemlich gleich nach der Queen. Im Jahr 2002 kommt dann Töchterchen Lila Grace zur Welt, der Vater ist Mitverleger der hippen Modezeitschrift „Dazed & Confused“ – es scheint, dass die zarte Kate nun angekommen ist im wirklichen Leben. Aber auch diese Beziehung scheitert. Dann trifft sie Pete Doherty. Er ist Gast auf ihrer Geburtstagsparty. Doch schon bald darauf verkaufen seine „Freunde“ intime Fotos des frischgebackenen Liebespaares an die Presse. Das geht nicht lange gut. McQueen hat auch nen Neuen, einen Australier, der geht bald und wird von einem Pornostar, „Mr.Stag“, ersetzt, aber das ist schnell vorbei. Auch Scheitern verbindet.
Kates Koks-Skandal? Der ist ganz schnell vergessen, sie ist schon im September 2006 „hotter den ever“, sie landet zehn lukrative Anzeigenkampagnen und wird einfach immer nur noch reicher.
Und Alexander? Er ist auf der Höhe seines Ruhms, seine letzte Schau, ein zerfetzter Fashion-Abgesang, symbolhaft für die Wirtschaftskrise, wird frenetisch gefeiert. Doch er, der unumschränkte Star, ist ganz allein. Noch vor Kurzem soll er gesagt haben, die Mode interessiere ihn nicht mehr. Als am 2.Februar seine Mutter stirbt, stürzt er in die Finsternis. Wo sind sie denn jetzt, all seine „Freunde“?
Die Polizei findet einige Abschiedsbriefe in der Wohnung des Selbstmörders. Einer davon ist sicher an Kate.
HARALD NICOLAS STAZOL
… a definite must this spring, preferably in white!